Ich habe 70 Jahre lang nicht im Traum daran gedacht, dass ich mal Golf spielen werde. Ich habe, wie jeder Nicht-Golfer, über die diversen Vergleiche gelacht, die man altermäßig fortgeschrittenen golfspielenden Personen gerne zugeschrieben hat.
Das Geschenk
Meine Schwägerin und mein Schwager haben mir zum 70. Geburtstag einen Golfkurs geschenkt. Wider Erwarten hat mir das sehr gut gefallen, weshalb ich und meine Frau die Platzreife gleich angehängt haben. Jetzt bin ich also amtlich geprüfter Golfer mit Hanicap 54 und darf die Plätze der Welt umpflügen.
Damit grade das nicht passiert bin ich zwei- bis dreimal die Woche auf der Driving Range, um so bald wie möglich den Ball geplant dorthin schlagen zu können, wo er auch hinsoll. Das klappt von Mal zu Mal bessser, natürlich versetzt mit den üblichen Rückschlägen die ich auch aus Erzählungen anderer Anfänger kenne. Ich habe allerdings nicht damit gerechnet, dass ich an Stellen Muskelkater bekomme, an denen zuvor noch nier einer war.
Regelmäßiges Training
Das bringt mich zum zentralen Punkt meines Posts, dem regelmäßigen Training meines Körpers. In meinem Leben gab es ein Erlebnis, das mich zum regelmäßigen Sport gebracht hat. Nach meinem Mottorradunfall vor 16 Jahren sagte mein Operateuer Dr. Zimmermann: „Herr Gress, Sie müssen etwas für Ihre muskuläre Stabilität tun, von alleine wird’s nicht mehr besser.“ Bähm, das hast Du’s!
Zwei Tage nach der Operation stand der Physio am Bett und hat mich aus de Bett geholt. Ich habe im ersten Moment nicht geglaubt, dass ich das überhaupt hinkriege. Mir hat alles weh getan, aber er hat darauf bestanden, dass ich 100 Meter an der Wand lang gehe, dann durfte ich wieder ins Bett. Am sechsten Tag sind wir mit dem Lift in das Erdgeschoss gefahren und sechs Stockwerke die Treppen hoch gegangen. Dieser schnelle Fortschritt war für mich ein derart eindringliches Erlebnis, dass ich seit Abschluss der Reha täglich außer sonntags trainiere.
Mein Training
Ich trainiere zuhause, überwiegend mit Eigengewicht und nur einer Langhantel für die Kniebeugen. Für die Erstellung eines Traininigsplans hatte ich in 16 Jahren zweimal ein Quartal lang Personal Trainer, die mit mir ein Programm erarbeitet haben. Einer davon war Markus Röper. Beide Programme habe ich im Kern beibehalten, so dass ich rund eine Stunde pro Tag mit Sport beschäftigt bin.
Für mich ist es wichtig, dass ich alles zuhause machen kann, denn so brauche ich kein Studio und vor allem keine schicken Traningsklamotten. Ich fange sofort an wenn ich aus dem Bett komme, grade so mit dem was ich anhabe. Mein Wochentraning beinhaltet Kraft und Dehnung, es ist in zwei Blöcke aufgeteilt, die sich alle drei Tage wiederholen.
Das Ritual
Mit den Jahren habe ich so ein Morgenritual aufgebaut, ohne das ich nicht mehr sein will. Es gehört zu meinem Leben wie essen und schlafen, und je älter ich werde, desto mehr sehe ich im Vergleich mit vielen Zeitgenossen, dass ich damit auf dem richtigen Weg bin. Schwerfällig zu werden und nicht mehr mobil zu sein ist das Ende der Selbstständigkeit, und nichts kann ich weniger ertragen als jemanden der mir sagt, was ich wann zu tun habe. Diesen Zeitpunkt, sollte mich das Schicksal so treffen wollen, möchte ich soweit wie möglich hinaus schieben.
Selbstverantwortlichkeit
Mit dem Medikamentendispenser zieht das Elend des Alters ein, und wenn der Arztbesuch zum Event wird, ist die Welt sehr geschrumpft. Mir ist schon klar, dass es viele kranke Menschen gibt und die sich selber nicht mehr versorgen können. Es gibt in der Gesellschaft aber auch Menschen die dauerhaft über ihre körperliche Verhältnisse gelebt haben und immer noch leben und sich, wenn was weh tut, hinlegen und zum Arzt sagen: ‚Mach mich gesund‘. Selbstverantwortlichkeit sieht anders aus.

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